PREMIERE: **DeineMudda MACHT**, 27./28. September Ostpassage Theater Leipzig

¿Apokalypse als Chance***?

Ich glaub Deine Mudda hat Zukunftsvisionen. 

Wir waren gerade dabei, an sonem Stück zu feilen und säuberlichst Gruppenprozesse zu navigieren. Dann. Abends am Tisch. Bei Biogemüseeintopf und veganem Wein. Plötzlich: Scheiße, Leute, die Welt geht unter! 

Was heißt feministisches Theater, in Zeiten, in denen apokalyptische Prognosen die Nachrichten bestimmen und mensch sich immer öfter fragt: Wars das? Haben wir’s endgültig verkackt? 

Deine Mudda überlegt sich was. Wir blicken dem Orkan aus Überforderung und Wut mitten ins Auge und spinnen in der Stille schrille Utopien.

Die Supersternchen

 

Carina Sperk (*1987 in Zeulenroda, Thüringen)
ist Performerin und Sängerin. 2012 schloss sie ihr Diplom in Psychologie an der TU Dresden ab, widmete sich aber nicht erst seitdem der Erforschung des theatralen Raumes. Was während des Studiums noch als Improtheater begann, vertiefte sich bald durch die vielfältige Arbeit an der Figur des Clowns (Lila Monti, Argentinien; Jesus Jara, Barcelona). 2014 wurde sie Schülerin an der Internationalen Schule für physisches Theater “Berty Tovias” in Barcelona und war dort sowohl in der freien Szene als auch im Straßentheater aktiv. Seit Mai 2017 lebt sie nun in Berlin und ist als Schauspielerin, Workshopleiterin und Sozialarbeiterin tätig. Seit 2013 ist sie Mitglied der freien Theaterkollektivs goFigure und spielte u.a. in den Produktionen ANNE BONNIES IRRFAHRT und der Soloarbeit SCHÖNER CLEANING FEUDEL COLLAPSE am LOFFT Theater Leipzig. Ihre aktuelle künstlerische Suche bewegt sich zwischen feministischer Performance und clownesker Komik, Maskenritual und Popkultur und versucht zwischen traditionellen und zeitgenössischen Formen eine roten Faden zu finden. Im Oktober 2017 hat sie eine Ausbildung als Theatertherapeutin begonnen (Institut für Theatertherapie in Berlin, ITT) und beschäftigt sich verstärkt mit den Themen Körper und Trauma in der “zivilisierten Welt” , Trance und Ritual.

G Carta (*1990 in Padova, Italien)
2010-2012 szenisches Schreiben am Studio Literatur und Theater Tübingen. 2016-2019 Performance Studies am Zentrum für Performance Studies Bremen. Außerdem Langzeitstudent der transnationalen Literaturwissenschaften. Aktuell Ausbildung zum Trainer für politische Bildungsarbeit mit Fokus auf Körper- und theaterpädagogischer Arbeit in Zusammenhang mit Empowerment- bzw. Sensibilisierungsprozessen.
G formt zusammen mit Jul Zureck das freie Kunstkollektiv Lila Pudel Inc. und publiziert und liest außerdem eigene Texte in diversen Kontexten. G organisiert 2019/2020 das queerfeministische, intersektionale Tanztreffen Cuerpos Politicos mit, ein Festival, das die politische Dimension von dissidenten Körpern in und durch Körperarbeit verhandelt.
G’s Performances bedienen sich verschiedener Medien und betrachten den Zusammenhang von Text und Körper sowie Körper und Gesellschaft.
Bei der ständigen Bestrebung, aus Grenzlinien Wohnzimmer zu machen, liegt sein Focus auf Fragen der Widersprüchlichkeit, Uneindeutigkeit, Kollektivität, Subversion und Imagination.

 

Aisha Konaté (*1990, Berlin)
ist Performerin, Stimm- und Bewegungaktivistin. Sie ist im Bereich Antidiskriminierung/Antirassismus/Empowerment unter anderem bei der Initiative Schwarzer Menschen in
Deutschland (ISD) und beim advd (Antidiskriminierungsverband ) aktiv.  Nach ihrem Studium der Empirischen Kulturwissenschaft interessierte sie sich vorallem für die Begegnungen, Widersprüche und Intersektionalitäten von Körpern in ihren politischen Kontexten und dafür wie über die künstlerische, kreative Arbeit mit dem Körper Bündnisse und Solidarität hergestellt werden können. Sie hat verschiedene Veranstaltungen zu Tanztheater, sowie Improvisationstechniken im Bereich Körper/Stimme/Performance besucht und mitgestaltet. So unter anderem im Herbst 2017 den Workshop „Politische Körper- Erotik, Sexualität und Behinderung“ zusammen mit Aktivist*innen aus Barcelona. Im Sommer 2017 und 2018 war sie Mitorganisatorin des queer-feministischen, internationalen Tanztreffens „Cuerpos Politicos“ in Lyon, Frankreich. Das Festival ist eine Plattform für die Begegnung und Aushandlung diverser Körper lichkeiten: Künstler*innen mit und ohne Behinderungen, mit queeren Genderidentitäten, Black/ People of Color. Unter anderem während ihrer zweijährigen Stimmausbildung bei der Bildenden Künstlerin, Performerin und Sängerin Ulrike Helmholtz und über Besuche von Lehrveranstaltungen des Instituts für Sprechwissenschaft in Halle, spezialisierte sie sich auf den Bereich Stimmimprovisation und interessiert sich für die Verschränkung von Bewegung und Stimme. Seit Anfang 2017 beschäftigt sie sich mit Techniken des Butoh – ein zeitgenössischer Tanz der Mitte des letzten Jahrhunderts in Japan entstanden ist. Aisha Konaté ist außerdem Teil des Künstler*innenkollektivs „Marianne kotzt“ und Frontsängerin der gleichnamigen Punk-Improvisations- Band.

Aziza Bouizedkane (*1986, Berlin)
ist Tochter einer Psychologin und eines marokkanischen Zirkusarbeiters. Nach einer bewegten Kindheit und einer noch bewegteren Jugend beendete sie 2013 erfolgreich ihre Ausbildung zur Körper-Schauspielerin und sammelte erste Spielerfahrungen als Ensemble Mitglied des Komischen Theaters in Hofheim. Dort wirkte sie in verschiedenen Varieté-Produktionen mit und produzierte in Eigenregie ein erstes eigenes Kinderstück.
Im Jahr 2014 gründete sie mit ihrem Partner das „Theater Labaaz“ . Seither bespielt und moderiert das moderne Clown-Duo Bühnen und öffentliche Plätze im In-, Um- und Ausland. Ihr erstes abendfüllendes Bühnenstück „Nach Eden“  verwirklichte sie 2016 mit dem im selben Jahr gegründeten Duo „Amlou“ . Erste Regie-Erfahrungen sammelte sie 2016 und 2017, in Zusammenarbeit mit dem Maskentheater „Utecht und Philine“, bei deren Produktionen sie als äußeres Auge wirkte.
In ihren Stücken bewegt sie sich gern zwischen Kindheitsträumen und knallhartem Realismus, erzählt heldenhafte Geschichten des Versagens und träumt vom Mensch*sein.

Stephanie Lehmann (*1990, Leipzig)

ist Zirkusartistin. Ihr künstlerischer Werdegang begann auf einer Reise nach Neuseeland im Winter 2011. 2012 gründete sie mit ihrem Partner, Marc Zeun ein Jonglage Duo „Die Freudenbergs“. Mit diesem Duo haben die beiden über 5 Jahre lang die Welt bereist. Außerdem war sie Teil derZirkusgruppe „The little Circus Tabernak“ in Australien. 2017 machte sie eine Ausbildung zur Zirkuspädagogin in Zirkus Klatschmohn in Halle. Derzeit nimmt sie an einem Intensiv Performance Programm der Leipziger Tanzzentrale teil, in dem sie sich mit moderenen Performances und Tanz auseinander setzt. Seit neustem performt sie mit Porya Rezaimanesh in einer neuen Duozusammensetzung „Camandra“.

Elvira Schlegel (*1989 , Kasachstan)
ist in NRW aufgewachsen, wo sie schon immer gern jonglierte und
turnte,was sie 2009 zum Clownstudium nach Mainz an die Schule für Clowns brachte. Da die Clownerie nah am Schauspiel ist und sie mehr als nur Comedy spielen wollte, besuchte sie 2015 das Atelier für Physisches Theater in Berlin nach Jacque Le Coque. Zurück in Leipzig entwickelte sie ihr erstes Solostück zusammen mit musikalischer Unterstützung: „Der rote Faden ist mit Blut getränkt“. In dem Stück kommen gut die Themen heraus, die sie interessieren: Frau*sein und dabei lustig ohne dass es Klischees erfüllt, groteske und deformierte Körper, absurde Handlungen und Ungerechtigkeiten. Sie gründete eine Spielgemeinschaft die artistisch, performativ und theatral auftritt als „Carjahma der Jahrmarkt“. Elvira spielt im Solo sowie im Ensemble und unterrichtet Clown und Zirkus im Kinder und Jugendzirkus Zirkomania. Sie spielt auf Straßenfesten und Festivals, auf Bühnen und im Varieté.

http://phillipal8.wixsite.com/phillipalacht

Ute Faust
ist Lehrerin für Tanz und Physical Theater, Performerin und Theatermachende. Ihre Ausbildung im Zeitgenössischen Tanz absolvierte sie am „Moving Arts Zentrum“ in Köln sowie am „Dance Space Studio“ und „Movement Research“ in New York. Es schlossen sich Weiterbildungen in „Action Theater“ bei Sten Rudström/Berlin sowie der Meisner-Schauspieltechnik bei Hendrik Martz an. Seit 2015 ist sie in Ausbildung zum Tamalpa Life/Art Practitionier nach Anna und Daria Halprin, eine Form der Expressive Arts Therapie.
Heute unterrichtet sie Zeitgenössischen Tanz, Physical Theater und Tamalpa Life/Art in Mainz. Seit 2004 leitet sie die Dance Company des AHS der Universität Mainz und erarbeitete seitdem mit Laiengruppen zahlreiche Bühnenstücke. 2007/2008 hatte sie einen Lehrauftrag für „Tanz- und Bewegungstheater“ an der Universität Mainz. Seit 2011 ist sie als Dozentin in Weiterbildungen für Tanz- und Bewegungspädagogen tätig, sowie als Gastdozentin an der Schauspielschule Mainz und der Clownschule Hofheim. Sie arbeitet in Jugendprojekten im Rahmen von „Künste öffnen Welten“, „Chance Tanz/ Kultur macht stark“, GenerationK und der Jugendförderung der BASF Ludwigshafen.

http://www.utefaust.de/

 

 

Wer sind wir?

 

Wir sind Schwarz, weiß, of color, mit und ohne eigene Migrationserfahrung. Wir sind queer, hetero, lesbisch, trans*, cis. Wir verstehen uns als feministisches, rassismuskritisches Theaterkollektiv und sind in verschiedensten Theater-/Performancebereichen ausgebildet und aktiv: von Clownerie und szenischem Schreiben über Theaterpädagogik, Dramatherapie, Regie, Schauspiel bis hin zu Cabaret, Masken- und Straßentheater.
Unsere unterschiedlichen Lebensrealitäten machen unsere Zugänge zur Theaterarbeit sehr vielfältig und werden auch auf der Bühne sichtbar.

Wir machen Empowermenttheater. Was heißt das?

Wir verstehen Theater als Medium, um soziopolitische Fragen und Stimmungen auszuhandeln und zu hinterfragen. Wir begreifen es als einen Raum, in dem wir mit unseren Körpern, Stimmen, Erfahrungen und Perspektiven experimentieren, neue Ästhetiken schaffen und mit der Welt und Gesellschaft, die uns umgibt, umzugehen versuchen.

Wir denken, dass wir über den gemeinsamen Arbeitsprozess in der Tradition von antirassistischen und feministischen Freiheitsbewegungen einen Raum der Selbstermächtigung eröffnen. Zu Zeiten von antifeministischen Rückschlägen und neu aufkeimenden nationalistischen Tendenzen ist ein Feminismus, der sich gegen Rassismus positioniert und solidarisch ist, so wichtig wie eh und je. Es geht uns darum, über unsere Gemeinsamkeiten hinaus Widersprüche auszuhalten und Solidarität immer wieder neu zu (er)lernen. Im biographischen Arbeiten sehen wir das Potential mit Hilfe der eigenen Geschichten größere Zusammenhänge sichtbar zu machen und gleichzeitig das Publikum in ihrer alltäglichen Erfahrungswelt abzuholen. Wir arbeiten an einem utopischen Prozess der Verständigung.

Indem wir mit verschiedenen gesellschaftlichen Positionierungen nicht nur unsere Einigkeit performen, sondern auch die Verzweiflung, das Chaotische und den Streit zelebrieren, erheben wir gemeinsam unsere Stimmen auf dem Weg der unendlichen Aushandlungsprozesse.

Wie arbeiten wir?

Als Theaterkollektiv arbeiten wir mit verschiedenen Methoden. Unsere Vorgehensweisen sind grundsätzlich kollektiv: Alle reden mit. Alle entscheiden gemeinsam. Wir teilen unser Wissen und Können, unsere Erfahrungen, und Ansätze. Wir nehmen uns einzeln Themenkomplexe, Zwickmühlen und Fangfragen vor, die wir in intensiven Probephasen erörtern,. Dazu gehören externe theatermethodische Workshops genauso, wie theoretischer Input, Recherche und Austausch mit Expert*innen, lange Diskussionen und gegenseitiges Anleiten in unterschiedlichen Arbeitsmodulen.

Unser Ziel ist es als Theaterkollektiv beweglich zu bleiben und offen für Kritik, Veränderungen und sich wandelnde Konstellationen der Spieler*innen. Unsere Aufführungen wollen wir mit Publikumsdiskussionen und offenen Workshopangeboten verbinden und unsere Arbeitsweise für andere zugänglich machen. Wir möchten Menschen die Möglichkeit geben in Kontakt zu kommen, sich zu streiten, zu hinterfragen, Bündnisse zu kreieren und sich gegenseitig zu inspirieren.

Werksschau in der Ostpassage/Leipzig : „Deine Mudda macht Theater“

 

Wir suchen also gemeinsam nach dieser Sache, die uns eint??? Dieses “Frau*-sein”, das uns irgendwie zu umgeben scheint, diese “Weiblichkeit”, die manchmal beinahe an uns haftet wie ein klebriger Film, zumindest etwas, das es nicht so leicht ist abzulegen. Wir versuchen also herauszufinden, was es ist, was uns daran manchmal leiden macht, was uns dadurch und darüber hinaus stark sein lässt und was uns daran schon fremd geworden ist,  nicht mehr zu uns zu gehören scheint und uns abstößt. Einig werden wir uns darüber bisweilen nicht werden, wollen uns sogar auf einen Streit einlassen und schauen, was uns zu unterschiedlichen Wesen macht mit unterschiedlichen Erfahrungen, Körpern und Geschichten; Geschichten von unseren Müttern vielleicht und Omas aus verschiedenen Ländern, unterschiedliche Biografien also und Freiheitskämpfe, aber ja jedenfalls soll es natürlich um Freiheit gehen.
Und Freiheit ist am Ende immer die Freiheit von allen und darin steckt unumgänglich der eigene Prozess, in dem man versucht sich selbst heraus zuschälen unter all den Schichten von Geschichten und Phrasen und gute gemeinten Ratschlägen von Familie, Fernsehen und Feminismen und in diesen Kontakt zu kommen mit sich selbst und Freundschaft zu schließen mit diesem Körper und diesen Identitäten, die am Ende nichts weniger sind als ein atmendes Wunder.


Tickets gibts hier: http://ost-passage-theater.de/spielplan/